Testbericht der Viessmann Signalbrücke sowie der zugehörigen Signalköpfe

Da sich im Internet zwar einige Berichte über die Viessmann Signalbrücke finden, diese aber oft auf die Multiplexer-Technologie beziehen und recht wenig auf die Mechanik der Brücke eingehen, habe ich mich entschlossen, einen eigenen, bebilderten Bericht zu erstellen.
Dieser soll versuchen, die offenen Punkte zu klären und Hinweise zu geben, die sich so bis jetzt nicht im Netz finden lassen.

Die Signalbrücke

Die Signalbrücke ist größtenteils aus Metall. Sie ist filigran, und definitiv ein Blickfang.
Anfassen kann man sie gut, auf zu heftiges "Angrapschen" sollte man allerdings verzichten.
Gleiches gilt aber überall auf der Moba, ein "normales" Signal dürfte ähnlich "(un)empfindlich" sein.
Die Höhe ist OK, ein guter Kompromiss. Der Sockel der Brücke sollte auf Höhe SOK oder etwas höher montiert werden. Zum Beispiel auf einem Sockel oder auf einem Bahnsteig.
Die Signalkörbe hängen dann rechts außerhalb des Lichtraumprofils. Sie haben im Vergleich zu einem normalem Signal eine erhöhte Position.
Auf dem folgenden Bild ist das exemplarisch zu erkennen. Da die Gleise auf diesem Diorama auf einem Damm verlaufen, wurde eine 9mm hohe Streichholzschachtel als Höhenausgleich verwendet. Beim endgültigen, festem Einbau könnte noch ein etwas höherer Sockel / Ausgleich verwendet werden.
Stimmig sieht es aber jetzt schon aus, Vorbildfotos zeigen eine ähnliche Anordnung.



Ein zentrisches Anbringen über dem Gleis ist bei einer elektrifizierten nicht zu empfehlen. Die Signalkörbe würden mit der Oberleitung kollidieren, bzw. es wäre ein unnatürlich hoher Sockel nötig.
Bei Abschnitten ohne Fahrdraht sähe es wie folgt aus:



Hier ist die Brücke auf der selben Höhe wie das Gleis aufgestellt. Dabei würde das Lichtraumprofil verletzt.




Hier ist die Brücke auf dem Streichholzschachtelsockel postiert. Hier wäre eine zentralere Anbringung der Signalkörbe möglich.
Allerdings habe ich hierzu kein Vorbildfoto gefunden!
Also ist meine Empfehlung, keinen bzw. nur einen niedrigen Sockel zu nutzen und die Sigmalkörbe rechts zu positionieren.



Da ich nach Maßen gefragt wurde, hier mal der Versuch einer Messung (mit gewissen Ungenauigkeiten ...).
Der Pappkarton entspricht ganz grob dem Lichtraumprofil nach NEM 102.
Wenn nun der rechte Signalkorb ganz nah am Mast positioniert ist, ergibt sich ein Abstand Mitte Gleis 1 zu Aussenkante des Sockels von 57mm.
Aber Vorsicht:
Bei geringerem Abstand zwischen Gleis 1 und Gleis 2 muss der LINKE Signalkorb auch nach rechts an seinen Anschlag (rotes '!') - liegen die Gleise noch enger,
führt das zu einer Verschiebung des Mastes der Signalbrücke nach rechts (Blauer Pfeil) !

Ein paar Worte zur Technik:

Bekannterweise benötigt ein Multiplexsignal (bis zu) vier Anschlußkabel.
Zwei vierpolige Kabelbäume aus dünner, flexibler Litze sind innerhalb der Signalbrücke verlegt. An ihrem Fuß hängen die Stecker heraus, wie bei jedem Multiplex Signal.
Dieser Fuß ist übrigens ähnlich dem der Viessmann Abspannmaste, eine Platte wird auf die Anlage geschraubt und die Signalbrücke dann aufgeschoben.



Das andere Ende des Kabelbaums ist durch je ein Langloch in den Signalkorb geführt und dort an eine vierpolige Buchse angeschlossen.
Die Position und die Länge dieser Löcher definieren damit auch den Verschubbereich der Signalkörbe. Ein beliebiges Positionieren der Körbe ist also NICHT möglich.



Der Verschubbereich wird übrigens ebenso vom der Befestigung der Körbe selber eingeschränkt. Sie sind am Geländer der Signalbrücke gleitend befestigt und lassen sich nur über ein Feld dieses Geländers schieben. Dieses Feld ist mit ca. 27 mm breiter ausgeführt als die die Felder in dem Bereich, wo kein Korb befestigt ist (ca. 17mm).



Durch die Befestigung der Körbe fällt dieser längere Abschnitt allerdings auch nicht störend auf - IMHO also eine gute Lösung.
Diese "gleitende" Befestigung ist mit dem Signalkopf verklebt, eine Demontage der Kopfes also nicht vorgesehen und vermutlich schwierig.
Ich hatte mir vor dem Kauf die Frage gestellt, ob eine Variante möglich ist, die Signalbrücke "links" aufzustellen, die Signalköpfe sozusagen auf der Rückseite anzubringen.
Aus oben genannten Gründen ist das aber nicht ohne Weiteres möglich. Dazu kommt, das Langloch ist nicht mittig in der Brücke, sondern zum Korb hin positioniert.

Es gibt noch weitere Einschränkungen:
Wenn man die Vorsignale entfernt (nach Anleitung ist dies möglich, aber irreversibel), ist der Signalkorb natürlich zu groß!
Fairerweise muss man dazu sagen, dass es diese Situation auch beim Vorbild gibt - jedenfalls fand die Bildsuche im Web dazu ein Beispiel.




Ebenso ist es NICHT vorgesehen, ein reines Vorsignal zu betreiben (die mechanische und elektrische Verbindung zum Korb ist dann nicht mehr gegeben).
Hier müsste dann also bastlerischer Aufwand investiert werden. Geht nicht, gibt es ja bekanntlich nicht....
Aber "einfach" ist das sicher nicht mehr.

Die Signalköpfe

Die Signalköpfe haben auf ihrer Rückseite ein 2*2 polige Steckerleiste im 2mm Raster aufgelötet (SMD Bauform).
Über diese Steckerleiste wird das Signal versorgt und gesteuert. Ebenso stellt sie die mechanische Verbindung zum Signalkorb (oder dem Signalhalter) her.
Diese mechanische Verbindung reicht gut aus, um das Signal sicher an seinem Platz festzuhalten.



Man kann die Brücke direkt mit zwei Einfahrtsignalen bestückt erwerben (ArtNr.: 4750)
Es gibt sie aber auch ohne Signalköpfe (ArtNr.: 4755), die sich dann einzeln zukaufen lassen:

Zwei Blocksignale 4752
Zwei Einfahrsignale 4753
Zwei Ausfahrsignale 4751


Es ist in meinen Augen fast egal, ob man die Brücke bestückt kauft oder Brücke und Köpfe getrennt erwirbt.
Beispiel (Die Preise sind aus dem Onlinehandel, Stand 09.2016 und auf ganze Euro gerundet):

Signalbrücke bestückt (E-Sig) 4750 85

Signalbrücke unbestückt 4755 69
Signalköpfe E-Sig 4753 17
86


Bei den Signalköpfen sind noch Halter zur Befestigung an Gebäuden oder "fremden" Signalbrücken beigelegt, sowohl in kurzer (3mm) als auch in langer (17mm) Version, passend also für viele Einbauvarianten.
Hier einige mögliche Varianten:

Ohne Halter,
zum direkten Anbringen an
z.B. ein Reiterstellwerk
Mit kurzem Halter
3mm
Mit langem Halter
17mm
Mit langem Halter
17mm, stehend
Mit langem Halter
17mm, hängend

Das Kabel dieser Halter lässt sich sicher AUCH als Verlängerungskabel verwenden, wenn man es aus dem Halter entfernt.
D.h. wenn man nicht genau die Variante mit zwei Einfahrsignalen benötigt, ist man beim Einzelkauf flexibler, bei nur geringfügig höherem Preis.

Fazit

Viessmann ist mit der Brücke ein sehr schönes Modell gelungen, welches sich mit überschaubar vielen Komponenten individuell einsetzen lässt. Modellbahner mit höherem Anspruch werden vermutlich nicht mit den nötigen Kompromissen einverstanden sein. Sie werden (weiterhin) zum kompletten Selbstbau greifen.
Für (gehobene) Spielbahner finde ich die Brücke aber sehr gut gelungen.
Weitere Signalköpfe (reines Vorsignal, KS Signale) wären noch wünschenswert. Durch den modularen Aufbau ist der Weg dorthin immerhin technisch gut möglich - zumal Modelle der Mastvarianten der genannten Signale schon seit einiger Zeit existieren. Ob es sich aus wirtschaftlicher Sicht "rechnet", kann und will ich nicht bewerten.

Ich hoffe, der Bericht hat gefallen und vielleicht bei einer Entscheidungsfindung geholfen.
Nun möchte ich den Lesern weiterhin noch viel Spaß mit der Modellbahn wünschen :-)